Der Hecht – Fisch des Jahres 2016

Hecht im Reißinger Bach
Im verschlammten, kanalartig verbauten Reißinger Bach bei Wallersdorf (Lkr. Dingolfing-Landau) sucht der Hecht vergebens Deckung und Laichsubstrat. Foto: Kuhn

Der Hecht (Esox lucius) wurde gemeinsam vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) zum Fisch des Jahres 2016 gewählt.

Der Hecht ist einer unser bekanntesten Fischarten und ein sehr geschätzter Speisefisch. Mit seiner Wahl werden die Zusammenhänge zwischen Natur- und Artenschutz sowie nachhaltiger, verantwortungsvoller Naturnutzung verdeutlicht. Wenn Ufer und Auen strukturreich renaturiert bzw. in ihrem Bestand gesichert werden, dienen sie dem Hecht als Rückzugsrevier und Laichplatz. Damit wird sein Bestand gesichert und gleichzeitig der Lebensraum vieler anderer Tier- und Pflanzenarten verbessert.

Er besiedelt krautreiche Stillgewässer, wie Baggerseen, Altwässer aber auch langsam fließende Bäche und Flüsse mit gutem Unterstand. Durch sein grünlich, dunkel gestreiftes und geflecktes Schuppenkleid ist er gut getarnt. Er ist standorttreu und lauert in Ufernähe regungslos auf seine Beute. Sein langgestreckter, pfeilförmiger Körper erlaubt es ihm, in einem blitzschnellen Vorstoß seine Beute zu ergreifen. Markant ist sein entenschnabelförmiges Maul, das reichlich bezahnt ist. Im zeitigen Frühjahr sucht der Hecht krautreiche Flachwasserzonen oder Überschwemmungsflächen auf. Dort werden die klebrigen Eier an Pflanzenteile angeheftet. Vom 15. Februar bis 15. April hat er Schonzeit. Das Schonmaß beträgt 50 Zentimeter. Diese gesetzlichen Regelungen ermöglichen ihm eine ungestörte Fortpflanzung.

Wenn durch Regulierungsmaßnahmen der Bäche und Flüsse kein Platz für natürliche Überschwemmungen bleibt, Ufer ohne Struktur sind, oder Wiesen trocken gelegt werden, bedeutet das Laichplatzverlust und Einengung seines Lebensraumes. Intakte Flussauen mit natürlicher Überschwemmungsdynamik sichern nachhaltig seinen Bestand. Das wäre gleichzeitig ein wertvoller Beitrag zum Hochwasserschutz.

Seine Durchschnittsgröße liegt bei 50-90 Zentimetern. Kapitale Exemplare erreichen 1,30 Meter und können über 20 Kilogramm schwer werden.


Der Huchen – Fisch des Jahres 2015

Huchen im Danubium, Tiergarten Straubing; Kuhn
Der Huchen wird auch Donaulachs genannt. Er ist in seiner Existenz stark bedroht.

Der Huchen (Hucho hucho) wurde gemeinsam vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) zum Fisch des Jahres 2015 gewählt.

Der Huchen ist unser größter heimischer Vertreter aus der Familie der Lachse (Salmoniden). Sein natürliches Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf das Einzugsgebiet der Donau und seiner Nebenflüsse. Deshalb wird er auch als Donaulachs bezeichnet. Er kann über 140 cm lang und 30 kg schwer werden.

Seine Bestände sind stark bedroht. Die Mitternacher Ohe und der Schwarze Regen gehören zu den wenigen Flüssen in Niederbayern, in denen sich der Huchen noch selbst fortpflanzen kann. Hier findet er sauerstoffreiche und kühle Fließgewässerabschnitte mit kiesigem Untergrund. Im Frühjahr unternimmt er längere Laichwanderungen, um in den weit verzweigten Nebenflüssen auf stark überströmten Kiesbänken eine Laichgrube zu schlagen und dann seine Eier ins lockere Kieslückensystem abzulegen. Er erreicht seine Laichplätze aber nur dann, wenn die zahlreichen Querverbauungen, meist durch Wasserkraftanlagen, durch funktionierende Fischwanderhilfen durchgängig gemacht worden sind. Noch besser wäre es, wenn kleinere unwirtschaftliche Wasserkraftanlagen zur Gänze aufgelöst und die Gewässerabschnitte renaturiert werden könnten. Dass dies funktioniert, hat der Fischereiverband Niederbayern zusammen mit dem Landesfischereiverband Bayern in dem Drei-Mühlen-Projekt an der Mitternacher Ohe in den letzten zehn Jahren eindrucksvoll bewiesen. Dort haben die Fischer drei Wasserkraftwerke aufgekauft, die Wasserrechte abgelöst und so die Mitternacher Ohe komplett durchgängig gemacht. Es ist einmalig in Deutschland, dass die organisierte Fischerei in Eigeninitiative einen kompletten Fluss in seiner Ursprünglichkeit wieder hergestellt hat.

Als weitere Schutzmaßnahme hat die organisierte Fischerei das Schonmaß auf 90 cm festgesetzt. Untersuchungen haben gezeigt, dass Huchenrogner in bayerischen Flüssen oft erst ab einer Länge von 80 cm oder mehr ablaichen.

Seine hohen Lebensraumansprüche erfordern in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitere große Anstrengungen, um die Gewässerstruktur weiter zu verbessern und nachhaltig zu sichern.

Das Faltblatt zum Fisch des Jahres kann auf der Homepage des Landesfischereiverbandes Bayern (Broschüren/Faltblätter/Schriftenreihe) heruntergeladen werden.


Der Stör – Fisch des Jahres 2014

Hausen im Donauaquarium Engelhartszell; Kuhn

Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) hat in Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) den Stör zum Fisch des Jahres 2014 gewählt.

Zwei Störarten waren bis in den Anfang des letzten Jahrhunderts in unseren Flüssen heimisch: der Europäische Stör (Acipenser sturio) in Elbe und Rhein und der Atlantische Stör (Acipenser oxyrhinchus) in der Oder. Inzwischen gelten beide Arten als ausgestorben. Der Verlust von Laichplätzen durch die Veränderungen der Gewässerstruktur, Aufstiegshindernisse durch Gewässerverbauungen sowie Verschmutzung und Überfischung sind Hauptursachen für das Verschwinden des Störs.

Der Stör ist ein Wanderfisch, der im Meer lebt, aber zum Laichen wie Lachs und Meerforelle in die Flussläufe aufsteigt.  Ohne vom Meer in die Flüsse zu wandern, können Störe keine sich selbst reproduzierenden Bestände aufbauen. Der Deutsche Angelfischerverband hat den Stör als Fisch des Jahres gewählt, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Verbau unserer Fließgewässer durch Wehre und Wasserkraftanlagen die Wiederansiedlung von wandernden heimischen Fischarten verhindert. Bei der anstehenden Novelle des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) muss der Fischartenschutz mehr Beachtung finden als bisher: Kein weiterer Verbau unserer Flüsse und Bäche, Investitionen in Fischtreppen und Umgehungsläufe, um den Fischen das Wandern zu ermöglichen. 

Der Europäische Stör (A. sturio) war mit einer Maximallänge von über 5 Metern einst unsere größte heimische Fischart. Während des letzten Jahrhunderts sind seine Bestände drastisch zurückgegangen. In Deutschland gilt er als verschollen oder gar ausgestorben. Der Verlust von Laichplätzen durch die Veränderungen der Gewässerstruktur, Aufstiegshindernisse durch Gewässerverbauungen sowie Verschmutzung und Überfischung sind Hauptursachen für das Verschwinden des Störs.  

Mit einem stammesgeschichtlichen Alter von 250 Millionen Jahren sind Störe älter als die Dinosaurier und zählen zu den urtümlichsten Wirbeltieren auf unserem Planeten. Seine lange Schnauze, die 5 Reihen von Knochenplatten auf seinem Körper, die weit nach hinten gerückte Rückenflosse und seine haifischähnliche, asymmetrische Schwanzflosse verleihen dem Stör ein einzigartiges Erscheinungsbild. Seine Nahrung, die hauptsächlich aus Würmern, Weichtieren, Krebsen und kleinen Fischen besteht, sucht er am Gewässergrund. Vier lange Barteln helfen dabei, Essbares mit dem vorstülpbaren Maul aufzunehmen. 

Der Europäische Stör ist ein Wanderfisch, der den größten Teil seines Lebens im Meer oder im Brackwasser verbringt.  Zum Laichen steigt er, wie beispielsweise der Lachs, die Flüsse auf (anadrome Wanderung). Die Eiablage erfolgt im Frühsommer in der Strömung auf Kiesgrund. Die erwachsenen Tiere wandern danach wieder ins Meer oder Brackwasser zurück. Die Jungtiere bleiben im ersten Lebensjahr im Süßwasser und ziehen dabei langsam flussabwärts. Nach zum Teil langen Wanderungen im Meer werden die Männchen mit 9-13 Jahren, die Weibchen mit 11-18 Jahren geschlechtsreif. 

Das Verbreitungsgebiet des Störs reichte von der Ostatlantikküste über Nordskandinavien bis Marokko, es gab ihn im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Seine Laichwanderung führte ihn in Rhein und Elbe jeweils bis in die Oberläufe. Noch in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde ein Stör in der Vechte, ein Nebenfluss der Ems, gefangen. Heute kommt der Europäische Stör nur noch selten im Nordostatlantik vor, von wo aus er in die Gironde in Frankreich zum Laichen aufsteigt. Das Gironde-Garonne-Dordogne Flusssystem stellt somit sein letztes Fortpflanzungsgebiet in Europa dar. 

Forscher, Behörden, Angler und Artenschützer arbeiten seit Gründung der Gesellschaft zur Rettung des Störs e.V. 1994 gemeinsam daran, in deutschen Gewässern wieder sich selbst reproduzierende Bestände zu etablieren. Ursprünglich sollten dazu Störe aus dem Bestand der südfranzösischen Gironde in der Oder ausgesetzt werden. Begleitende genetische Untersuchungen von Museumsexemplaren, die aus der Ostsee stammten, wiesen darauf hin, dass es sich bei diesen Exemplaren um einen amerikanischen Verwandten, den Atlantischen Stör (A.  oxyrinchus), handelte. Er wanderte vor ungefähr 1200 Jahren über den Atlantik in die Ostsee und ihre Zuflüsse ein und wurde bei uns heimisch.

Zum Erhalt und der Wiedereinbürgerung sind vielfach mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz seit 1996 eine Reihe von Vorhaben realisiert worden, die die Wiedereinbürgerung der beiden Arten in Nord- und Ostsee zum Gegenstand hatten. Die Arbeiten wurden durch die Gesellschaft zur Rettung des Störs koordiniert und  wissenschaftlich vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern begleitet. Das Vorhaben wurde 2013 als Beispielsprojekt der UN-Dekade der Biodiversität ausgezeichnet. Im Nordseeeinzugsgebiet wird mit dem Europäischen Stör (A. sturio) besetzt, im Ostseeeinzugsgebiet mit dem Atlantischen Stör (A. oxyrinchus). 

Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) unterstützt die Versuche, die unternommen werden, um den Stör als natürlichen und angestammten Bewohner unserer heimischen Gewässer zu retten. Schließlich wäre es mehr als schade, wenn er in Zukunft als ausgestorbene Art nur noch in unserer Erinnerung oder als seltenes Museumsstück existent wäre. Zudem ist der Stör durch die Vielzahl der genutzten Lebensräume und seine positive Verankerung in der Gesellschaft eine ideale Schirmart, um die Anforderungen der Flussfischarten für ein nachhaltiges Management auch zum Nutzen anderer, weniger charismatischer Arten, zu kommunizieren.

In diesem Zusammenhang müssen auch die Störe der Donau erwähnt werden. Der Hausen beispielsweise zog vom Schwarzen Meer weit die Donau hinauf. 1617 wurde ein 3,4 m langes Exemplar in der Salzach bei Tittmoning gefangen. Der Hausen ist der Gigant unter den Flussfischen. Er kann bis zu neun Metern lang und eineinhalb Tonnen schwer werden.

Der Sterlet ist der kleinste der Donaustöre. Nur kapitale Exemplare werden größer als einen Meter. Er nimmt eine Sonderstellung unter den Stören ein. Er verbringt sein gesamtes Leben im Süßwasser, wandert also nicht ins Schwarze Meer. Im Grenzbereich zwischen Bayern und Österreich gibt es noch eine Population, die sich selbst reproduziert. Sie ist aber durch die Vermischung mit anderen Störarten, wie dem Sibirischen Stör, bedroht.

Text: DAFV ergänzt durch FVN

Foto: Hausen im Donauaquarium Engelhartszell; Kuhn


Informationen zum Fisch des Jahres 2013 und früher finden sie hier:
http://www.dafv.de/index.php/projekte-aktionen/fisch-des-jahres